Maya – sichtbar und in allem

Maya, 70×50; Leinwand/Öl

Die Göttin der Illusion führt mich auf seltsame Wege. Bin ich von einer Erscheinung berührt, ist es ihr geheimnisvolles Zusammenspiel verschiedener Komponenten wie Farben, Licht, äußere Form. Ein jedes lässt sich auf seine Grundbausteine untersuchen, dann aber verschwindet der sinnliche Zauber. Und im wesentlichen verschwindet auch der Schöpfergeist hinter der Erscheinung, verunsichert uns durch seine Versicherung, scheinbar nicht zu existieren. Ein Lehrbeispiel dafür, dass alle Materie dem Geist folgt?

Maya II

Maya III – was bleibt, ist die Veränderung

Zwei Engel im Park

Engel A: Der Park ganz in der Nähe döst mittags im August. Schwere Dolden hängen über dem Boden; die Schafskopfhortensie trägt melancholisches Weiß. Trauerweidenzweige streichen über himmelfarbnen Wasserspiegel, Schilf und gelbe sibirische Lilien umrahmen den Teich. Wildes Geranium und zitronenfarben grelle Blüten der Rauke, hellblauer Phlox, gebeugtes Gras und ein Blick hinauf in die alte Eiche. Dann kommen Gartenmauern, über die sich wilde Rosen gießen, ein Schmuck, an dem die Augen hängen und silberne Spinnenfäden, zwischen Farne gespannt. Suchen wir Steine, stören die Unke, pflücken nachts Sterne, denken an die Welt? An die Welt denke ich nicht gerne. Mich stören die gleichgültigen Menschen.

Engel B: Sie werden verschwinden, nachdem sie alles verschwendet haben.

Engel A:  Sie glauben jeden Mist! Hörst Du, sogar wenn sie in dieser Idylle ein Butterbrot essen, brüllt das  Radio auf sie ein. Warum geben wir uns so viel Mühe mit der heiligen Natur? Sie sind voller Mutwillen und Gier, sie zertrampeln die Stille, die ihnen etwas sagen will.

Engel B: Nein. Wir sprechen doch schon lange nicht mehr mit ihnen. Der Sturm wird ihnen das bringen, was in der Wüste tobt. Sie haben da so einen tollwütigen Kriegsherrn.

Engel A: Vorsicht, sie haben dich schon angesteckt mit ihren Problemen. Lass uns den Tag genießen. Der Park ganz in der Nähe döst mittags im August.                

Angeloi

Vergessen…

… entfärbte Ufer der Zeit

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„Vergessen“; 40×50; Leinwand/Öl

Entfärbte Ufer der Zeit, Artefakte tief im Boden eingesunkener Erinnerungen.

  • Wer waren die Ahnen als sie noch auf der Erde schafften?
  • Was schafften sie?
  • Wie war ihre Freude beschaffen?
  • Was lebte in ihrer Erinnerung?
  • Was in uns erinnert sich im fließenden Wechsel unserer eigenen Gezeiten?
  • Und woran?
  • Und an wen?
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Artefakte, 50×20; Leinwand/Öl/Kreide

Großmutter war ein Mädchen, 50×70; Leinwand/Öl

Die große Wolke

Ein Wolkenhauch nach Marrakesch

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Die große Wolke, 90×80; Leinwand/Eitempera

Die Safari, die Carla Schäfer, noch im Träumen von Wüstenlandschaften und kleinen, teetrinkenden Mädchen beschäftigte, sollte nie Wirklichkeit werden. Sie saß fest im Kokon unrühmlicher, allerdings auch heilsamer, Erinnerungen an die 80er Jahre fest. Damals – ein Wort, das sich inzwischen erübrigt, denkt sie, denn allein die Filme aus jener Zeit schienen weit entfernte Epochen zu spiegeln, weiter in der Zeitrechnung zurück, als etwa eine Verfilmung der „Brüder Karamasov“. Allerdings war jenes „Damals“ noch jugendlich. Kein Apfelrot der Wangen, eher etwas Schmelzendes, Ungefähres, trotzdem Rebellisches. Unbedingt. Warum eine Safari unternehmen? Ein Flug nach Marrakesch und dann zu Fuß in die Wüste? Überall die weggeworfenen Relikte einer Touristenschar ohne Gewissen, die tristen, flatternden Zeugnisse billiger Getränkemarken in Dosen, versnickerte Papierfetzen, nichts umhüllende Plastikfähnchen: so fühlt sich Verwahrlosung an, dafür geht man nicht auf Safari. Und doch: der Zauber, des weit weg seins. Im Verschmelzen mit der Großen Wolke die eine, unerreichbar schwerelose Figur fliegen: ohne Teppich, ohne Netz in der Zeitlosigkeit, von all den Gesichtern umgeben, die jetzt zerfließen in zartesten Farben, die das Leben illustrieren und Gefühle hervorrufen, noch immer, im Schwebezustand.

Kraftwerk der Freude

Die Nachrichtenlage ist verworren, verrückt, verboten, verlogen, verbogen. Die Wahrheit eine Schneeflocke im Sommer. Tritt ein, tritt ein in das Haus der aufrichtigen Gefühle. Hab keine Angst vor Missmut. Ärger und Furcht haben keine Macht über dich. Erinnere dich: du betreibst ein Kraftwerk der Freude. Wenige Minuten am Tag musst du es füttern. Dazu reicht ein Tautropfen am Morgen.

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Rose von Jericho, Leinwand/Acryl, 40×50

„Die Welt, die monden ist“

… wie ein Schein
entsteht, ein weißer Schatten in dem Glanz
der Dunkelheit. Nun aber laß uns ganz
hinübertreten in die Welt hinein
die monden ist –

Aus Rainer Maria Rilke, Die Gedichte 1906 bis 1910 (Paris, vor dem 7. Februar 1909)

La Lune, 40×40; Leinwand/Öl&Kreide

Nachtrag:

Die wandelbare Mondwelt; blasser Schein irdischer Irrtümer, Mond, das Tor zum Frieden.

„Die Freiheit, frei zu sein“

Titel nach einer Schrift von Hannah Arendt, 1963

„Nur diejenigen, die die Freiheit von Not kennen, wissen die Freiheit von Furcht in ihrer vollen Bedeutung zu schätzen. und nur diejenigen, die von beidem frei sind, von Not, wie von Furcht, sind in der Lage, eine Leidenschaft für die öffentliche Freiheit zu empfinden (…)“ Hannah Arendt

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Das Gras des letzten Sommers; 30×40; Leinwand/Öl/Kreide

Täglicher Schreibanreiz
Worauf freust du dich im Hinblick auf die Zukunft am meisten?

Turbulenzen

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Turbulenzen, 40×40; Leinwand/Öl

Geistergewitter heißt es neuerdings: Donnergrollen bei sonnigem Himmel; am nächsten Morgen Erwachen in einer trüben schmutziggrauen Himmelsbrühe, dann gießen sich die Wolken leer. Stechende Sonnenstrahlen erzeugen mikroskopische Klarsicht; ermöglichen punktgenaues Hinschauen auf einen Riss an der Wand, auf Wasserbläschen im Vogelbad, auf ein erwachendes Grasbüschel. Pflanzenduft wird nach unten gedrückt. Ich erinnere mich an John C.B., gnadenloser irischer Streetfighter und Poet, der bei Turbulenzen im Anflug auf Heathrow plötzlich ganz still betete und meine Hand suchte, wie ein kleines Tier, das außer sich gerät und angesichts der aeronautischen Turbulenzen, zwischen Schutz- und Fluchtinstinkt hin und hergerissen ist.