Zeit.Geist.

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Zeit.Geist. Leinwand/Öl 50×70

„Der Zeitgeist unserer Zeit ist das Paradoxon unseres Geistes, unseres Denkens.“ (Netzfund zur Frage: „Was ist der Zeitgeist unserer Zeit“ )

Heißt das, unser Denken akzeptiert Dinge, die unser Geist ablehnt und verhält sich opportun zur Wahrheit? Neuerdings steht ein seltsamer Mensch vor der Tür und verhält sich dort seit Tagen für einige Stunden still, bevor er sich lautlos umdreht und weg geht. Am nächsten Tag steht er wieder da. Und das schon seit Wochen. Der tägliche Anblick dieses Menschen ist zermürbend. Und manchmal denke ich, hat sich sein Gesicht verändert, ist in die Augen, die so teilnahmslos wirken, etwas sonderbares eingezogen; hängen die Mundwinkel mürrisch herab; trägt er eine Zornesfalte? Nach etwa einem Monat bemerke ich eine neue Jacke; sie scheint an einer Seite ausgebeult zu sein. Der Zeitgeist flüstert: „Es ist ein Mensch, der dir nahestehen sollte; wer weiß, wieviel Leid er erfahren musste und nur du kannst ihm helfen.“ Ich bin beschämt, denke aber, dass ich mich bedroht fühle angesichts der täglichen stummen Aufwartung. Und wie ist das mit dem „Nahestehen“ gemeint, hier rebelliert mein Geist, mein Denken schweigt. „Lade ihn doch ein in dein gemütliches Zuhause“, insistiert der Zeitgeist, “ vertreibt euch gemeinsam die Zeit. „- „Nein“, sagt mir mein Geist, „Ich will das nicht! Was soll ich mit so einem unheimlichen Gast?“ Monatelang erscheint der Fremde, der mir immer fremder wird. Inzwischen wird er auf der Straße oder direkt vor meinem Haus freundlich, fast vertraulich von den Nachbarn gegrüßt – und ich ernte missbilligende Blicke. Der Zeitgeist, denke ich, schlägt deutlich gegen mich aus. Das scheint dem Ungebetenen Kraft zu verleihen. Neuerdings trägt er gut sichtbar Waffen: ein Springmesser zum Schälen geschenkter Äpfel, eine Schreckschusspistole, wahrscheinlich, um … – sollte ich auf den Gedanken kommen, ihn gewaltsam zu vertreiben. Der Zeitgeist rät: lege täglich einen Apfel vor die Tür.

Grimms Märchenwald

Der märchenhafte Reinhardswald war Inspirationsquell der Brüder Grimm. Vom Turm der Trendelburg ließ Rapunzel ihr goldenes Haar herunter, die Sababurg war das Schloss von Dornröschen. Heute findet Hans sein Glück nicht mehr wie früher im Reinhardswald, sondern stößt auf Windräder.

Die Märchensammler Brüder Grimm lebten fast 30 Jahre lang in Kassel; zahlreiche ihrer bekannten Märchen spielen oft im Wald, im tiefen, dunklen Reinhardswald. Der Unterschied: Im Märchen gewinnt das Gute.

Wenn etwa Esel, Hund und Katze altersschwach von ihren Höfen weggejagt werden, müssen sie auf ihrem Weg nach Bremen durch den Wald gehen. Dort entwickeln sie ungeahnte Kräfte, um Gefahren zu überwinden. Wenn Kinder im Wald ausgesetzt werden, müssen sie das Böse überwinden. Im Märchen besiegen sie sogar die alte böse Hexe, schieben sie in den Ofen. Doch die ist heute grün.

https://www.tichyseinblick.de/meinungen/windraeder-reinhardswald-maerchenwald/

Viel-leicht, vielleicht

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Unter Umständen, möglicherweise, vielleicht ist dieses „viel-leicht“ verzichtbar. Schätzungsweise soll es im 15. Jahrhundert aus „vil mer“ entstanden und später in der Schriftform zusammengerückt worden sein. Die Bedeutung erschließt sich nur im gewollt Ungefähren, also kann ich vielmehr darauf verzichten, wenn ich viel und leicht verstanden werden möchte.

Wenn du auf ein Wort verzichten müsstest, das du regelmäßig verwendest, welches wäre das?

Palazzo

Meister, wir sind die Pilger, wir gehen immer noch einen Schritt weiter. Denn hinter jenem blauen, schneebedeckten Gipfel, jenseits des tosenden, glitzernden Meeres, weiß auf einem Thron oder bewacht in einer Höhle, lebt vielleicht der Seher, der weiß, wozu der Mensch geboren ist …

James Elroy Flecker
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„Palazzo“; 40×50; Leinwand/Öl

Maya – sichtbar und in allem

Maya, 70×50; Leinwand/Öl

Die Göttin der Illusion führt mich auf seltsame Wege. Bin ich von einer Erscheinung berührt, ist es ihr geheimnisvolles Zusammenspiel verschiedener Komponenten wie Farben, Licht, äußere Form. Ein jedes lässt sich auf seine Grundbausteine untersuchen, dann aber verschwindet der sinnliche Zauber. Und im wesentlichen verschwindet auch der Schöpfergeist hinter der Erscheinung, verunsichert uns durch seine Versicherung, scheinbar nicht zu existieren. Ein Lehrbeispiel dafür, dass alle Materie dem Geist folgt?

Maya II

Maya III – was bleibt, ist die Veränderung

Zwei Engel im Park

Engel A: Der Park ganz in der Nähe döst mittags im August. Schwere Dolden hängen über dem Boden; die Schafskopfhortensie trägt melancholisches Weiß. Trauerweidenzweige streichen über himmelfarbnen Wasserspiegel, Schilf und gelbe sibirische Lilien umrahmen den Teich. Wildes Geranium und zitronenfarben grelle Blüten der Rauke, hellblauer Phlox, gebeugtes Gras und ein Blick hinauf in die alte Eiche. Dann kommen Gartenmauern, über die sich wilde Rosen gießen, ein Schmuck, an dem die Augen hängen und silberne Spinnenfäden, zwischen Farne gespannt. Suchen wir Steine, stören die Unke, pflücken nachts Sterne, denken an die Welt? An die Welt denke ich nicht gerne. Mich stören die gleichgültigen Menschen.

Engel B: Sie werden verschwinden, nachdem sie alles verschwendet haben.

Engel A:  Sie glauben jeden Mist! Hörst Du, sogar wenn sie in dieser Idylle ein Butterbrot essen, brüllt das  Radio auf sie ein. Warum geben wir uns so viel Mühe mit der heiligen Natur? Sie sind voller Mutwillen und Gier, sie zertrampeln die Stille, die ihnen etwas sagen will.

Engel B: Nein. Wir sprechen doch schon lange nicht mehr mit ihnen. Der Sturm wird ihnen das bringen, was in der Wüste tobt. Sie haben da so einen tollwütigen Kriegsherrn.

Engel A: Vorsicht, sie haben dich schon angesteckt mit ihren Problemen. Lass uns den Tag genießen. Der Park ganz in der Nähe döst mittags im August.                

Angeloi

Vergessen…

… entfärbte Ufer der Zeit

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„Vergessen“; 40×50; Leinwand/Öl

Entfärbte Ufer der Zeit, Artefakte tief im Boden eingesunkener Erinnerungen.

  • Wer waren die Ahnen als sie noch auf der Erde schafften?
  • Was schafften sie?
  • Wie war ihre Freude beschaffen?
  • Was lebte in ihrer Erinnerung?
  • Was in uns erinnert sich im fließenden Wechsel unserer eigenen Gezeiten?
  • Und woran?
  • Und an wen?
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Artefakte, 50×20; Leinwand/Öl/Kreide

Großmutter war ein Mädchen, 50×70; Leinwand/Öl

Die große Wolke

Ein Wolkenhauch nach Marrakesch

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Die große Wolke, 90×80; Leinwand/Eitempera

Die Safari, die Carla Schäfer, noch im Träumen von Wüstenlandschaften und kleinen, teetrinkenden Mädchen beschäftigte, sollte nie Wirklichkeit werden. Sie saß fest im Kokon unrühmlicher, allerdings auch heilsamer, Erinnerungen an die 80er Jahre fest. Damals – ein Wort, das sich inzwischen erübrigt, denkt sie, denn allein die Filme aus jener Zeit schienen weit entfernte Epochen zu spiegeln, weiter in der Zeitrechnung zurück, als etwa eine Verfilmung der „Brüder Karamasov“. Allerdings war jenes „Damals“ noch jugendlich. Kein Apfelrot der Wangen, eher etwas Schmelzendes, Ungefähres, trotzdem Rebellisches. Unbedingt. Warum eine Safari unternehmen? Ein Flug nach Marrakesch und dann zu Fuß in die Wüste? Überall die weggeworfenen Relikte einer Touristenschar ohne Gewissen, die tristen, flatternden Zeugnisse billiger Getränkemarken in Dosen, versnickerte Papierfetzen, nichts umhüllende Plastikfähnchen: so fühlt sich Verwahrlosung an, dafür geht man nicht auf Safari. Und doch: der Zauber, des weit weg seins. Im Verschmelzen mit der Großen Wolke die eine, unerreichbar schwerelose Figur fliegen: ohne Teppich, ohne Netz in der Zeitlosigkeit, von all den Gesichtern umgeben, die jetzt zerfließen in zartesten Farben, die das Leben illustrieren und Gefühle hervorrufen, noch immer, im Schwebezustand.

Kraftwerk der Freude

Die Nachrichtenlage ist verworren, verrückt, verboten, verlogen, verbogen. Die Wahrheit eine Schneeflocke im Sommer. Tritt ein, tritt ein in das Haus der aufrichtigen Gefühle. Hab keine Angst vor Missmut. Ärger und Furcht haben keine Macht über dich. Erinnere dich: du betreibst ein Kraftwerk der Freude. Wenige Minuten am Tag musst du es füttern. Dazu reicht ein Tautropfen am Morgen.

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Rose von Jericho, Leinwand/Acryl, 40×50

„Die Welt, die monden ist“

… wie ein Schein
entsteht, ein weißer Schatten in dem Glanz
der Dunkelheit. Nun aber laß uns ganz
hinübertreten in die Welt hinein
die monden ist –

Aus Rainer Maria Rilke, Die Gedichte 1906 bis 1910 (Paris, vor dem 7. Februar 1909)

La Lune, 40×40; Leinwand/Öl&Kreide

Nachtrag:

Die wandelbare Mondwelt; blasser Schein irdischer Irrtümer, Mond, das Tor zum Frieden.